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Wickersdorf – gestern und heute

50 Jahre Fürsorge und Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung

Von Elisabeth Schweichler Seite 10 im Heft 3 Minuten Lesezeit

Auf diesem Bild sind Carmen Brenner (links neben dem Kinderwagen), Heike Weißenborn (mit den Zöpfen) und Steffen Schweichler (ganz rechts) zu sehen, die zu den ersten Kindern gehörten, die in Hauteroda aufgenommen wurden. Sie kamen mit Familie Jacobeit nach Wickersdorf und leben heute noch dort.

Die Markus-Gemeinschaft in Hauteroda im Kyffhäuserkreis (Thüringen) begeht in diesem Jahr 2022 ihr 50-jähriges Jubiläum. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft haben geschützte Lebensräume und förderliche Arbeitsstätten für Menschen mit Behinderung geschaffen.

Schon im Jahr 1970 wurde in Artern eine der ersten Einrichtungen für schulbildungsunfähige Kinder in der damaligen DDR eingerichtet. Eine ehemalige Gaststätte im Salinepark Artern erfuhr eine grundlegende Umgestaltung und eine Tagesstätte für die Kinder entstand. Dabei war auch die Mithilfe von Eltern gefragt.

Bereits kurze Zeit später, im Jahr 1972, öffnete im Kreis Artern eine weitere Einrichtung für schulbildungsunfähige Kinder ihre Tore. Mit Unterstützung des damaligen Kreisarztes Dr. Jüttner konnte durch die Mitglieder einer anthroposophischen Gemeinde das Markus-Heim in Hauteroda gegründet werden. Für die damalige Zeit entstand etwas ganz Besonderes: In Familien mit Kindern kamen pflegebedürftige Kinder und wurden in den Familien gemeinsam mit erzogen.

Niemand kann heute, nach 50 Jahren, noch ermessen, wie schwierig und aufwändig damals alles gewesen ist. Man brauchte für beide Einrichtungen – die Tagesstätte in Artern und das Markus-Heim in Hauteroda – nicht nur Geld, sondern auch Genehmigungen für alles und jedes. Das erforderte engagierte Menschen, die sich um all diese Dinge mit großer Hartnäckigkeit kümmerten.

Trotz vieler Schwierigkeiten waren große Erfolge zu verzeichnen. Die Tagesstätte entwickelte sich als Vorzeigeobjekt, eine geschützte Werkstatt kam hinzu, in der die Jugendlichen gern und freudig arbeiteten.

Auch die Einrichtung in Hauteroda entwickelte sich, indem die Arbeit und das Leben in Familienverbänden große Fortschritte für die Behinderten brachte. Viele alte Häuser wurden aufgekauft und für weitere Familien hergerichtet.

Mit der Wende kam eine neue Zeit und brachte weitgehende Veränderungen mit sich. Die Tagesstätte Artern wurde aufgelöst und der Stiftung Finneck eingegliedert.

Auch die Markus-Gemeinschaft in Hauteroda hörte zunächst auf zu existieren und die Bewohner gingen in andere Gemeinschaften. So zogen am 16. September 1993 die letzten sechzehn Betreuten mit Helga und Lutz Jacobeit in die Lebensgemeinschaft Wickersdorf bei Saalfeld (Saale), welche am 13. November 1992 gegründet worden war. Damit begann die für uns alle so erfreuliche und erfolgreiche Entwicklung an diesem Ort.

Aber auch in Hauteroda ist die Zeit nicht stehen geblieben. Es etablierte sich eine Camphill-Gemeinschaft, aus welcher dann die heutige Markus-Gemeinschaft entstand.

Alles hat sich vorteilhaft entwickelt. Zweimal konnte ich dort in der Herberge einige angenehme Urlaubstage verbringen. Auch mein Sohn Steffen und seine Wohngruppe aus dem Morgensternhaus in Wickersdorf erlebten schöne Urlaubstage in der Markus-Gemeinschaft in Hauteroda.

Wir sollten uns an die Zeit vor 50 Jahren erinnern und an die Menschen, die diese Entwicklung auf den Weg gebracht haben. Wir sollten nicht vergessen, wie neu und mühsam es damals war, sich für Menschen mit Behinderung einzusetzen und ihnen eine sinnvolle Erziehung zukommen zu lassen. Mein Sohn Steffen wird in diesem Jahr 60 Jahre alt und ich bin sehr dankbar für die Zuwendung und Fürsorge, welche er in Hauteroda und Wickersdorf erfahren hat und welche aus ihm einen friedfertigen und zufriedenen Menschen machte.

Text: Elisabeth Schweichler

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