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Aus der Gemeinschaft

Handwerk hat einen goldenen Boden

Von Jürgen Bereiter-Hahn Seite 12 im Heft 3 Minuten Lesezeit

Dieser Spruch bezieht sich auf das meist sichere Einkommen für Menschen in Ausbildungsberufen. Dennoch ist es zu kurz gegriffen, nur die finanzielle Seite von Handwerksberufen zu sehen. Die Bewohner der Lebensgemeinschaft Wickersdorf können zwischen verschiedenen Werkstätten wählen: einer Bäckerei, Schreinerei, Töpferei, Gärtnerei, Weberei, Kräuterwerkstatt und neuerdings auch Tätigkeiten im Haushaltsbereich. Früher war noch das Kerzenziehen sehr beliebt.

Mit leuchtenden Augen bekommt man als Besucher bei den Schreinern ein schönes Werkstück gezeigt – die gerundeten Kanten, die geschliffene Oberfläche des Holzes bei Frühstücksbrettchen machen einfach Freude. Diese Freude soll sich auch auf die Käufer übertragen, die etwa solche Brettchen über Jahre hin benutzen können, und wenn die Oberfläche schadhaft geworden ist, wird sie abgeschliffen und alles ist wie neu – ein Brettchen für Generationen. In der Lebensgemeinschaft Wickersdorf liegt das Gold des Handwerks also nicht im Geld, sondern in der Freude des Tuns, des Gestaltens, des Schaffens. Die Arbeit schafft soziales Umfeld und gibt Befriedigung.

Martin Zinner, der Werkstattleiter, betont, dass möglichst der Weg vom Rohstoff bis zum Produkt nachvollzogen werden soll. Die große Hoffnung lag hier auf der Erzeugung von Getreide (Weizen, Roggen) mit Aussaat, Bestellung des Ackers, Ernte, Dreschen und Mahlen des Getreides zu Mehl, das dann in der Bäckerei zum Backen verwendet wird. Ein solcher Versuch wurde mit Beginn dieses Jahres gestartet und mit Hilfe der Landwirte in Kleingeschwenda ein Feld bestellt. Leider haben Rehe den gut bewachsenen Acker leer gefressen – schade! Nun wird die Mühle jedoch mit gekauftem Getreide befüllt, der Schritt zur Erzeugung von Mehl so erfahren und stolz das Brot aus dem selbst gemahlenen Mehl gezeigt.

Das Herstellen von Produkten, also z. B. Kaffeetassen, Tellern und Kerzenhaltern in der Töpferei oder das Ernten von selbst gezogenem Gemüse, ist für sich bereits ein hoher Wert. Durch den Verkauf auf einem Wochenmarkt, an die Häuser der Lebensgemeinschaft oder in einem Ladengeschäft steigt natürlich noch der Stolz auf das Geschaffene. Bis es so weit kommt, muss aber viel gezeigt, angeleitet und besprochen werden. Die Handwerksmeister sind sehr gefordert, die Bewohner der Lebensgemeinschaft Wickersdorf anzuleiten und ihnen zum Produktionserfolg zu verhelfen. Das ist nicht mit einer Werkstatt auf dem sogenannten 1. Arbeitsmarkt zu vergleichen.

Für die Werkstätten ist die Freiheit, ganz verschiedene Aufträge annehmen zu können, auch Ansporn und eine Möglichkeit, ihre Tätigkeit zu finanzieren. Das, liebe Leserinnen und Leser, soll Sie am Schluss ermutigen, den Bedarf an handwerklichen Produkten gerne durch Bestellungen in Wickersdorf zu decken.

Text: Jürgen Bereiter-Hahn

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