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Das Ginkgohaus

Alle sagten, das geht nicht …

… da kamen welche, die wussten das nicht, und haben es einfach gemacht!

Von Haiko Jakob Seite 8 im Heft 12 Minuten Lesezeit

So soll das Ginkgohaus aussehen

Als wir die Lebensgemeinschaft Wickersdorf vor nunmehr über 30 Jahren gründeten, hieß es, dass jede Bewohnerin und jeder Bewohner bis zu seinem Lebensende in Wickersdorf leben könnte, sofern sie oder er es möchte. Damals aber hatte scheinbar niemand bedacht, dass viele dieser Menschen – wohl der gesunden Luft, der fantastischen Umgebung als auch dem Gemeinschaftssinn geschuldet – älter wurden, als es eine sogenannte Statistik vorherzusehen glaubte. Sie sollten oder wollten weit über ihr Arbeitsleben hinaus in Wickersdorf bleiben.

Wir können voller Stolz sagen, dass Wickersdorf nicht nur ein Ort zum Leben, sondern auch eine Stätte der Begegnung und des Austausches ist. Von kulturellen Veranstaltungen über Bildungsangebote bis hin zu gemeinschaftlichen Aktivitäten – unser Ziel war es immer, ein Umfeld zu schaffen, in dem jede Person ihre Interessen und Leidenschaften weiterhin verfolgen kann.

Unsere Vision war es, kontinuierlich eine Umgebung zu schaffen, in der Menschen nicht nur leben, sondern auch wirklich aufblühen können. Durch die zahlreichen Initiativen und Projekte, die wir gemeinsam ins Leben gerufen haben, konnten wir dies verwirklichen. Über die Jahre hinweg haben wir erkannt, dass das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit mit dem Alter nicht schwindet, sondern sogar stärker wird.

Es musste also ein altersgerechtes Haus her, das genau diesen Bedürfnissen und Wünschen gerecht wird.

Dieses Bauwerk soll nicht nur funktional, sondern auch einladend und lebendig sein. Es soll die Essenz von Wickersdorf zurückstrahlen – die Verbundenheit mit der Natur, den Gemeinschaftssinn und das Streben nach einem erfüllten Leben in Geborgenheit und Würde. Nach eingehender Planung und gemeinschaftlichen Diskussionen entstand die Konzeption einer Wohnanlage, die all diese Aspekte vereint und unseren ältesten und bedürftigsten Bewohnerinnen und Bewohnern ein Zuhause bietet, welches ihren Bedürfnissen gerecht wird.

Diese Bleibe wird mehr als nur ein Gebäude sein. Sie wird ein Ort der Gemeinschaft, Lebensfreude und Fürsorge sein – ein Platz, an dem jede Person sich wertgeschätzt und sicher fühlt. Die Architektur spiegelt unsere Philosophie wider: offene Räume, die Begegnungen fördern, grüne Flächen, die zum Verweilen einladen, und eine Gestaltung, die sowohl funktional als auch ästhetisch ansprechend ist.

Gesagt, getan. Was damals niemand ahnte: Es sollte ein langer, holpriger und zeitraubender Weg werden.

Die Aufgaben, die uns zuteilwurden, haben uns stark gemacht und unsere Entschlossenheit gefestigt. Jeder Rückschlag war eine Lektion, die uns lehrte, noch entschlossener zu sein. Jedes Hindernis, das uns begegnete, jegliche Steine, die uns in den Weg gelegt wurden, stellten uns vor kräftige Herausforderungen und verlangten nach innovativen Lösungen. Doch wir ließen uns nicht entmutigen. Schritt für Schritt, beherzt und kreativ überwanden wir diese Steine und verwandelten sie in Bausteine unseres Projektes.

Heute legen wir den Grundstein

Nun stehen wir vor der Verwirklichung unserer Vision, die durch die Hindernisse nur noch eindrucksvoller geworden ist.

Heute, am Nachmittag des 10. Mai 2025, legen wir den Grundstein!

Dieser Grundstein symbolisiert nicht nur den Beginn eines neuen Bauprojekts, sondern ist auch ein Zeichen für die unermüdliche Hingabe und den unerschütterlichen Glauben an unsere gemeinsamen Werte und Ziele. Viele Menschen unserer Einrichtung haben auf ihre Weise zu diesem Moment beigetragen, sei es durch Engagement, Kreativität oder einfach durch ihren Glauben an die Verwirklichung unseres Vorhabens.

In den kommenden Monaten wird sich dieser Ort Stück für Stück verwandeln und wachsen. Mit jedem Stein, der gelegt wird, kommen wir unserem Ziel näher: ein Zuhause zu schaffen, das den Bedürfnissen unserer ältesten und bedürftigsten Gemeinschaftsmitglieder gerecht wird, ihnen Sicherheit und Freude bringt und gleichzeitig den Geist von Wickersdorf bewahrt.

Ein großer Dank

Nun ein paar Worte des Dankes an die Menschen, ohne deren Unterstützung dieses Vorhaben – und schon gar nicht in diesem Kontext – umsetzbar gewesen wäre!

Allen voran verdienen die Eltern, Geschwister, kurzum die Angehörigen unserer Bewohnerinnen und Bewohner unsere größte Achtung und unseren tiefsten Dank für ihre persönliche, uneingeschränkte emotionale und finanzielle Unterstützung sowie für ihr Vertrauen in uns.

Ein nicht geringerer Dank gilt der Förderstiftung der Lebensgemeinschaft Wickersdorf, die uns immer zur Seite steht und immer ein offenes Ohr für unsere Belange hat. Sie hat beschlossen, unserem Projekt ebenfalls eine beträchtliche Summe beizusteuern. Ohne diesen Rückhalt, ohne ihr Interesse wäre die Umsetzung unserer Vision kaum möglich gewesen.

Ebenso danken wir Herrn Landrat Marco Wolfram! Zu Beginn der Prozedur waren uns seine Meinung und Fürsprache von großer Bedeutung. In mehreren konstruktiven Gesprächen mit ihm und seinem Team haben wir die Idee gemeinsam beraten und ausgelotet.

Wenn wir ein neues Gebäude mit mehreren Wohnungen errichten, entsteht in den bestehenden Häusern infolgedessen ein entsprechender Leerstand. Um diesen zu vermeiden, wurde eine Vereinbarung getroffen, wonach die Stiftung Lebensgemeinschaft Wickersdorf über einen bestimmten Zeitraum hinweg die leerstehenden Wohnungen weiterhin nutzen kann und dabei eine bedarfsgeregelte Belegung sicherstellt. Dies ermöglicht es uns, jüngeren Menschen einen neuen Wohn- und Lebensort zu bieten, ohne ältere Bewohner in andere Einrichtungen verlegen zu müssen. Unser besonderer Dank gilt hierbei auch Herrn Thalmann und seinem Team für ihre konstruktive und wohlwollende Unterstützung.

Wir danken auch sehr herzlich Dr. Steffen Kania, unserem Bürgermeister. Wann immer seine Unterstützung erforderlich war, konnten wir ihn um Hilfe bitten. Er hat unsere Projektidee von Anfang an begrüßt und unterstützt, sei es durch Befürwortungen oder die Beschleunigung bestimmter bürokratischer Verfahren. Ohne seine wertvollen Verbindungen wären wir möglicherweise auf halber Strecke gescheitert. Die freundschaftlichen Beziehungen zu unserer Stadt Saalfeld haben unseren Weg erheblich erleichtert.

Wir bedanken uns aufrichtig bei Prof. Dr. Bereiter-Hahn, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Förderstiftung Lebensgemeinschaft Wickersdorf, für seinen unermüdlichen Einsatz. Seine Ratschläge waren während unserer Gespräche von unschätzbarem Wert. Darüber hinaus hat er sich maßgeblich und mit großem Engagement um die Ausarbeitung der Förderanträge gekümmert. Herr Professor war stets bereit, nach Wickersdorf zu kommen, um zu helfen, und begleitete uns zu anderen Einrichtungen, um dort wertvolle Einblicke zu gewinnen.

Er stellte zudem Kontakte aus seinem Netzwerk zur Verfügung, immer mit dem Ziel, unser Projekt voranzubringen. Ein besonderes Treffen im Bundesgesundheitsministerium in Berlin brachte uns die wichtige Erkenntnis: „Bist du Gottes Sohn, so hilf dir selbst.“ Es wurde mehr als deutlich, dass von dieser Stelle keine Unterstützung zu erwarten war. Diese Erfahrung brachte uns jedoch die Erkenntnis, welche Wege für die Erlangung von Unterstützung nicht sinnvoll sind. Herr Prof. Dr. Bereiter-Hahn stand uns während des gesamten Prozesses zur Seite und sein Beistand war für uns unverzichtbar. Wir sind zuversichtlich, dass er uns auch weiterhin als Freund der Lebensgemeinschaft Wickersdorf begleiten wird, bis zur Vollendung unseres Projektes und darüber hinaus.

Unser besonderer Dank gilt Herrn Höhn, dem Geschäftsführer der Sozialbank Erfurt. Sein unermüdliches Wirken war für uns von kostbarer Nützlichkeit, unabhängig davon, wo er sich gerade auf dieser Welt befand. Sein Engagement, sowohl an Feiertagen als auch in seinem wohlverdienten Urlaub, ist vorbildlich. Herr Höhn stellte sich stets den wechselnden Herausforderungen, die an uns herangetragen wurden, und unterbreitete uns wertvolle Vorschläge und Hinweise. Beeindruckt von unserer Entschlossenheit, investierte er sowohl Zeit als auch Mühe in unsere Pläne und zeigte großes persönliches Engagement. In einem unserer zahlreichen Telefonate erwähnte er scherzhaft die Idee, eine Standleitung zwischen Wickersdorf und Erfurt einzurichten.

Wir sprechen Bernd Schneider, unserem Architekten, unseren tief empfundenen Dank aus. Er und sein Team haben uns jederzeit unterstützt und flexibel auf die sich ändernden Anforderungen unseres Projekts reagiert. Über mehrere Jahre hinweg hat er unsere fortlaufenden Änderungswünsche in Bezug auf Standort, Planungen, Architekturvorschläge sowie die Anliegen der Denkmalschutzbehörde berücksichtigt. Zudem konnte er auf unseren dringlichen Wunsch die Bearbeitungszeit des Bauantrags von vier Monaten auf drei Wochen verkürzen. Äußerst beachtenswert ist, dass Herr Schneider uns bisher nie etwas in Rechnung gestellt und stets mit Geduld und Engagement gearbeitet hat. Seine gelassene Art und sein Humor haben wesentlich dazu beigetragen, dass wir trotz aller Herausforderungen unser Vorhaben erfolgreich weiterführen konnten.

Vielen Dank auch an Dr. Martin Pietraß, den Vorsitzenden der Förderstiftung Lebensgemeinschaft Wickersdorf. Viele unserer Ideen hat er in seinen Kalenderzeichnungen dargestellt, in der Hoffnung auf deren Verwirklichung. Auch die Modelle über die Bauhaus-Uni in Weimar wurden durch seine Initiative entsprechend den jeweiligen Änderungen neu gestaltet oder angepasst. Er hat sich stets für den Fortschritt des Projekts interessiert und dem Beginn des Baues entgegengefiebert.

Wir möchten Frau Dr. Werner, Rechtsanwältin im Stiftungsrecht, sowie Frau Steineke-Linse vom Innenministerium Thüringen unseren herzlichen Dank aussprechen. Durch ihr unkompliziertes und schnelles Handeln konnte das bisherige Engagement für dieses Projekt vergangene Woche fortgesetzt werden. Dank zweier Telefonate und eines Fahrdienstes konnten die bis dahin fehlenden beglaubigten Unterlagen an das Notariat Watoro übermittelt werden.

Unser Dank gilt auch Herrn Notar Watoro und seiner Kollegin Frau Kulessa. In einer außergewöhnlichen sogenannten Nacht-und-Nebel-Aktion haben beide kurzfristig alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um einen Grundbucheintrag zu vollziehen, der bereits vor mehreren Wochen hätte erfolgen sollen. Normalerweise kann ein solcher Eintrag ca. neun Monate in Anspruch nehmen. Das Notariat hat dies jedoch in bemerkenswerten 24 Stunden ermöglicht.

Wir danken ebenfalls ganz herzlich unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Lebensgemeinschaft, insbesondere der Geschäftsleitung sowie den Haus- und Gruppenleitungen in den Werkstätten und nicht zu vergessen unserem Dorfmeister mit seinem Gefolge. Ihre Bereitschaft, unser Projekt über das gewöhnliche Maß hinaus zu unterstützen, war jederzeit gegeben. Dank des Engagements der Verantwortlichen, die sich im Sinne unserer zentralen Aufgabe einsetzen, unseren Bewohnerinnen und Bewohnern ein schönes Zuhause zu bieten, war es möglich, diesen Weg erfolgreich zu gehen. Es war stets beruhigend zu wissen, dass trotz aller menschlichen Aspekte und behördlichen sowie gesetzlichen Vorgaben die alltäglichen Anforderungen zuverlässig und kompetent gemeistert wurden.

Wir danken auch unseren Bewohnerinnen und Bewohnern herzlich für ihre Geduld, für ihr Verständnis und ihr Interesse. Ihre Neugierde motivierte uns kontinuierlich, unser Bestes zu geben und durchzuhalten. Wir freuen uns darauf, allen bald ein weiteres schönes und komfortables Zuhause in unserer Lebensgemeinschaft bieten zu können.

Abschließend danken wir den zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern, Begleiterinnen und Begleitern, die heute nicht genannt werden konnten! Deren Engagement und Mitgefühl haben unser Projekt mit Leben gefüllt. Vom ersten Entwurf bis hin zur kontinuierlichen Umsetzung waren es die vielen kleinen und großen Beiträge, die uns vorangebracht und inspiriert haben. Es ist nicht nur ein Projekt, sondern eine Gemeinschaftsleistung, die zeigt, was möglich ist, wenn Menschen mit Herz und Verstand zusammenarbeiten. Mit Dankbarkeit und einem Blick in die Zukunft setzen wir alles daran, unsere Vision in ihrer Vollkommenheit zu verwirklichen und die Lebensgemeinschaft Wickersdorf zu einem Ort zu machen, der den Menschen, die ihn ihr Zuhause nennen, Hoffnung und Geborgenheit schenkt.

Dorf und Lebensgemeinschaft

Die Lebensgemeinschaft ist eine Bereicherung für den ganzen Ort Wickersdorf. Dorf und Lebensgemeinschaft sind in den mehr als 30 Jahren ihres Bestehens zusammengewachsen. Einige Bewohnerinnen und Bewohner sind Mitglied des Heimatvereins. Jürgen Breuer stellt für die älteren Bewohner des Dorfes die Mülltonnen raus und bringt sie im Anschluss wieder an Ort und Stelle.

Man besucht sich in gegenseitigen Veranstaltungen. Am Freitag wird per Handwagen süßes Gebäck an die Wickersdorferinnen und Wickersdorfer – ob innerhalb oder außerhalb der Stiftung – verkauft. So könnte man noch viel mehr aufzählen. Wichtig ist: Es ist eine Art des Zusammenlebens entstanden, unabhängig davon, was für ein Mensch man ist. Ohne jetzt die Wissenschaft anstrengen zu müssen, kann man sagen: So etwas, wie es hier gelebt wird, ist auf jeden Fall sehr selten und beachtenswert.

Deshalb lasst uns weiterhin zusammenwirken, damit wir auch in den kommenden Jahren unser Leben in Wickersdorf genießen dürfen.

Letztendlich ist zu bemerken: Es war gut, dass wir nicht wussten, dass es nicht geht – deshalb konnten wir es einfach machen!

So soll das Ginkgohaus aussehen

Text: Haiko Jakob

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